"Trau Dich! - Gemeinsam gegen Kindeswohlgefährdung im Verband"

Kindeswohlgefährdung in der DLRG

Das Thema "Kindeswohlgefährdung" ist längst ein fester Bestandteil, mit dem wir uns schon seit vielen Jahren auseinandersetzen.
Aber, worum geht es eigentlich? Wir wollen und müssen daran arbeiten, dass Kindern und Jugendlichen weder körperliche, seelische oder sexuelle Gewalt noch, Vernachlässigung widerfahren und begegnen.
Begonnen haben wir mit dem Projekt "Stark! - Gemeinsam gegen Kindeswohlgefährdung im Verband!" Dazu haben wir Plakate und Buttons gestaltet, Workshops organisiert und mit wichtigen Funktionsträgern aus Politik und Verwaltung gesprochen. Wir haben Materialien für Trainer/-innen, Betreuer/-innen und Jugendleiter/-innen zur besseren Handhabung zum Thema Kindeswohlgefährdung entwickelt.

Deshalb müssen wir folgende Fakten festhalten:
Wir wollen

  • durch Öffentlichkeitsarbeit ein täterfeindliches Umfeld schaffen, sensibel und ohne Panik auszulösen.
  • vor allem das Selbstbewusstsein der Kinder und Jugendlichen durch gute Jugendarbeit stärken.
  • aufmerksam sein, Vertrauen schenken und Verdachtsfällen kompetent nachgehen.
  • unsere Teilnehmer/-innen im Blick behalten und ihnen jederzeit mit offenen Ohren zur Verfügung stehen.
  • durch Gespräche über das Thema und das Verteilen von unseren Notfallkarten (kostenlos bestellbar im LJS) eine flächendeckende Kommunikation garantieren.
  • sicherstellen, dass Betreuer/-innen, Ausbilder/-innen Jugendgruppenleiter/-innen und Trainer/-innen mehr Sicherheit im Umgang mit dem Themenkomplex Kindeswohlgefährdung und einhergehenden Handlungsmöglichkeiten gewinnen.

Wie passt das Thema Kindeswohlgefährdung und DLRG zusammen?

Indem wir als Trainer/-innen und Betreuer/-innen Verantwortung für den Schutz von den Kindern und Jugendlichen in unserem Umfeld übernehmen und für ihre Grundrechte und Grundbedürfnisse einstehen.
Das kann im Einzelnen die "Pflege und Erziehung"  der Kinder bedeuten, welche die Eltern in unsere Obhut gegeben und damit die Aufsichtspflicht an uns übertragen haben.

  • Kindeswohlgefährdung  ist die Ausnutzung der Macht- und Autoritätsposition grenzüberschreitender Handlung mit der Verpflichtung zur Verschwiegenheit.
  • Vernachlässigung wird definiert als andauernde oder wiederholte Unterlassung fürsorglichen Handelns durch Unkenntnis und Unfähigkeit über die Grundbedürfnisse der Kinder und Jugendlichen.
  • Körperliche Gewalt umfasst alle Handlungen, welche durch nicht zufällige körperliche Verletzungen herbeigeführt werden.
  • Seelische Gewalt (psychische Misshandlung) ist wohl die häufigste Form der Misshandlung und nur schwer zu definieren. Sie geht aber häufig mit den anderen Gewalttaten einher.
  • Sexualisierte Gewalt sind alle sexuellen Handlungen und Grenzüberschreitungen einer (heran-)wachsenden Person an, mit oder vor einem Kind oder Jugendlichen, unseren Schutzbefohlenen.

Kinder haben Bedürfnisse nach körperlicher Unversehrtheit, Sicherheit, individuellen und entwicklungsgerechten Erfahrungen in Grenzen, Strukturen und Regeln. Sie benötigen beständige, positiv betonte Erziehung in stabilen, unterstützenden Gemeinschaften und kultureller Kontinuität. Sie brauchen das Gefühl nach einer sicheren Zukunft.
Es gibt kein Patentrezept beim Umgang mit potentiell gefährdeten Kindern und Jugendlichen, sondern, verlasst Euch auf Euer Gefühl und sprecht ggf. mit einer Vertrauensperson und der/dem Betroffenen.

Was darf ein/e Trainer/-in? Wie können wir ganz praktisch handeln, wenn uns ein Fall von Kindeswohlgefährdung begegnet?

Dürfen wir Kinder und Jugendliche im Training oder bei Schwimmübungen überhaupt noch anfassen?

Es kommt darauf an: Wenn eine Übung sich nicht ohne körperlichen Kontakt zeigen / vorführen lässt, spricht zunächst einmal nichts dagegen. Viele Eltern allerdings sind verunsichert, was „ok“ ist, und was nicht. Geht daher in die Offensive: Ladet Eltern und Trainer zu einem Info-Abend ein und erklärt ihnen, dass eure Trainer zum Thema „KiWo“ geschult sind und darauf achten, dass niemand so berührt wird, wie er / sie es nicht möchte. Gebt ihnen die Gelegenheit, beim Training zuzusehen. Mahnt sie jedoch auch, euch gegenüber Vertrauen zu haben. 

Wie kann das Anrecht auf Bildung und Teilhabe am kulturellen Leben (z.B. [...] Sportvereine, etc.) umgesetzt werden?

Seid aufmerksam, wie es euren Kindern / Jugendlichen Zuhause geht, aber seid nicht „übersensibel“. Wenn ihr den Eindruck habt, dass ein Kind, möglicherweise auch aus wirtschaftlicher Sicht, nicht die Möglichkeit hat, am Vereinsleben teilzuhaben, geht in einem persönlichen Gespräch mit den Eltern darauf ein. Bietet ihnen Unterstützung an, die ihr gemeinsam im Vorstand besprechen könnt. Zunächst das Gespräch mit den verantwortlichen Eltern zu suchen, kann schwierig sein – seid hier mutig. Versucht, die Verantwortlichen und ihre Situation zu verstehen. 

Sind wir den Aufgaben überhaupt gewachsen, Kinder aus besonders förderbedürftigen Familien als ehrenamtlich Handelnde zu betreuen?

Ob wir dem gewachsen sind oder möglicherweise nicht – diese Frage stellt sich oft nur vordergründig, denn wir Ehrenamtlichen übernehmen mehr denn je Aufgaben, die zuvor Eltern übernommen haben. Dabei müssen wir den Kindern und den Eltern gerecht werden. Ihr seid oft auch Lebensbegleiter für Kinder und Jugendliche auf dem Weg, ihre Persönlichkeit zu entwickeln. Seid selbstbewusst, besprecht euch möglicherweise mit allen anderen Trainer/-innen und Betreuer/-innen, wie Kinder gezielt gefördert werden können.

Können wir Konfliktlösungsstrategien bei körperlicher Gewalt finden?

Ja, das können wir. In jedem Fall müssen wir körperliche Gewalt verhindern. Was ist, wenn Kinder in ihrem elterlichen Umfeld Gewalt erfahren? In diesem Fall solltet ihr dem Kind Vertrauen schenken, es erzählen lassen, wenn es möchte. Nehmt es ernst und sucht möglicherweise den Kontakt zu euerm Vorsitzenden. Besprecht das weitere Vorgehen gemeinsam – vielleicht auch ein Gespräch mit den Eltern. Ab dem Moment, in dem sich ein Kind euch anvertraut hat, tragt ihr eine Mitverantwortung für sein Wohl.

Wie fördern wir ein Gemeinschafts- oder Mannschaftsgefühl zur Unterbindung von Mobbing/psychischer Misshandlung durch Leistungsdruck, etc.?

Achtet auf die Rollenverteilung innerhalb eurer Gruppen: Wer ist eigentlich der „Chef“? Wer hält sich eher zurück? Wie verhalten sich alle, wenn sie beieinander sind? Versucht diese Strukturen zu durchbrechen, veranstaltet vielleicht eine kleine Mannschaftsaktion, in der sich jede Personen mit eigenen Stärken einbringen kann.

Können wir in unseren OGs Cybermobbing oder unangebrachte "Selfie"-Bilder, z.B. in sog. sozialen Netzwerken verhindern und persönliche Bildrechte sichern?

Darauf müssen wir zumindest achten. Auf jeden Fall müssen unsere Gliederungen, also Ortsgruppen und Bezirke wissen, was sie veröffentlichen dürfen. Wenn ihr euch unsicher seid, wendet euch an unser LJS. Zeigt denjenigen, die diese Bilder hochladen, was damit geschehen kann, und dass vielleicht nicht jede/-r ein Bild als harmlosen Urlaubsschnappschuss sieht.

Wie verhalte ich mich als Aufsichtsperson bei einem Fall von sexueller Gewalt, u.a. in einem DLRG-Ferienlager?

Schenkt Vertrauen, klärt und beruhigt die Situation. Hört beide Seiten an. Achtet dabei auf die Situation aller Betroffener. Ganz wichtig: Behandelt das Thema vertraulich, besprecht so etwas nicht in großer Runde und stellt niemanden „an den Pranger“. Sucht auch hier bald das Elterngespräch, befragt dazu aber vorher alle Betroffenen.

Wie attraktiv ist die DLRG für vermeintliche Täter/-innen?

Dadurch, dass wir als Wasserretter oft wenig bekleidet unserem Vereinsalltag nachgehen, ist die DLRG vermeintlich attraktiv für Täter/-innen. Allerdings nur auf den ersten Blick: Gerade dadurch, dass vielen die Sensibilität bewusst ist, sind sie aufmerksamer. Wenn wir immer wieder pointiert betonen, dass für sexualisierte Gewalt kein Platz in der DLRG ist, und wir zudem aufmerksam sind und uns kontinuierlich weiterbilden, sind wir auf einem guten Weg!

Wie soll das Thema Kindeswohlgefährdung in Ausbildungsinhalte implementiert werden?

Bei unserer Jugendleiterausbildung (JuLeiCa) haben wir bereits einen Block implementiert, der sich mit dem Thema befasst. Hier könnt ihr einiges dazu lernen, vor allem auch, wie ihr detailliert mit solchen Situationen umgeht. Der Landesverband beginnt nun auch, das Thema beispielsweise in die Ausbildung der Lehrscheininhaber/-innen einzubauen. Dabei arbeiten Jugend und Stammverband eng zusammen. Wir werden hier künftig das Thema immer weiter im Verband einbringen.

Und inwiefern betreffen uns die Maßgaben zum Bundeskinder- und Jugendschutzgesetz?

Dazu könnt ihr euch den „Leitfaden Bundeskinderschutzgesetz und eFz“ auf der Homepage der Landesjugend und des Stammverbandes herunterladen. Darin findet ihr alle dazu wichtigen Fragen!

Die Notfallkarten können kostenlos im Landesjugendsekretariat der DLRG-Jugend Niedersachsen bestellt werden.
Hier gibt es auch jederzeit die Möglichkeit, mit ausgebildeten Jugendbildungsreferent/-innen Kontakt aufzunehmen.

Handout: Umgang mit sexualisierter Gewalt in der DLRG-Jugend

Plakatkampagne zur Kindeswohlgefährdung

Sag Stop! zu seelischer Gewalt
Sag Stop! zu sexualisierter Gewalt
Sag Stopp! Zu Vernachlässigung!